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Keine Angst vor Messer und Gabel

Knigge für die Karriere und noch mehr Benimmregeln

für Jugendliche von der Gesamtschule
VonDagmar Hojtzyk

WALTROP.
Benehmen ist Glücksache – oder doch nicht?  Marvin Voß (16) setzt aufs Lernen. Der Gesamtschüler sitzt im Trainingskurs „Knigge für die Karriere“, und er lernt viel Neues.  Was bringt es ihm?  „Es gibt mir Sicherheit.  Ich weiß, dass ich keine Angst mehr haben muss, wenn ich zum Essen eingeladen werde.“

„Knigge für  die Karriere ist der Titel eines Verhaltenstrainings, das den 16 - und 17-jährigen Jugendlichen den Einstieg in den Beruf erleichtern soll.„Im Wettstreit um   einen   Ausbildungsplatz   spielen   persönliche   Faktoren,   wie  das   sichere Auftreten   und   eine   gewandte   sprachliche    Ausdrucksfähigkeit   eine   immer bedeutendere Rolle. Letztlich entscheidet der Auftritt beim Bewerbungsgespräch, ob die Wahl für oder gegen einen Kandidaten fällt“, sagt Hartmut Nürnberg.  Der Lehrer  ist  Ansprechpartner  an  der  Gesamtschule für  die  neue „Akademie für Bildung &  Beruf“.   In  dieser  Woche  dreht  sich  für  die  Jugendlichen,  die  im Sommer  die  Schule  verlassen  werden,  alles um  gutes  Benehmen und sicheres Auftreten,  angefangen  vom ersten  Händeschütteln  beim  Bewerbungsgespräch, über die  Kleidung  bis hin zu  Tischmanieren.  Das Training  mit den Schülerinnen und Schülern machen aber nicht die Lehrer. Kommunikationstrainerin Dr. Brigitte Hielscher  ist  mit  Hilfe  von  Studenten  an  der  Schule,  und  aus  einem mittel  - ständischen  Wirtschaftsbetrieb in Lüdenscheid ist der  Kaufmännische Leiter der Gerhardi  Alu Technik,  Andreas Mels,  vor Ort.  Der  Mann  aus dem  Sauerland führt  Bewerbungsgespräche  mit  den  Jugendlichen,   wie  er  es  auch  in  seinem Unternehmen  tun  würde,  und  er  gibt  Tipps.  Das  ist  für  die 17 - jährige Sarah Röttger aufregend,  auch  wenn es nur  ein Test ist.  „Ich mache das ja zum ersten Mal“, sagt sie und stellt sich  schon den  Ernstfall vor: „Davon hängt dann ja sehr viel ab.“  Der erste  Eindruck kann  entscheidend sein.  Da sind alle Jugendlichen einer Meinung.  Und sie wissen auch,  Äußerlichkeiten sind wichtig.  „Ein Piercing ist  nicht gut“,  sagt Lisa Hardt  (17),  die mehrere  sichtbare  Piercings  hat.  Was macht sie damit bei der Ausbildungsplatzsuche?„Ich werde sie rausnehmen“, sagt sie.  Minirock,  bauchfrei,  tiefes Dekolletee,  auch dass  gehört nicht ins  Arbeits- leben,  ist sich  Michelle  Vajnberger  (17) sicher:  „Die  Kleidung  muss  passend sein.“  Und auch zum Staunen  gab es immer wieder  Anlass:  Es gibt nicht nur für die  unterschiedlichen   Anlässe  ebenso  viele  Kleidungsarten.   „Man kann auch nicht alle Farben zu allen  Anlässen tragen“,  weiß Michelle nun.  Ob  die  Reihen- folge  des  Bestecks  oder  das  passende  Glas  zum  Getränk:  Viele Jugendliche sitzen  erstmals  an einem  perfekt gedeckten Tisch.  Und ihr Trainer Stephan von Delft sagt ihnen:  „Ja,  man kann die Serviette in den Kragen stecken  -  aber nur für eine einzige Speise, nämlich wenn man Hummer isst. Ansonsten gehört sie auf den Schoß.“  Möglich  wurde  das „Karriere - Coaching“,  weil die Kosten von der Agentur  für  Arbeit  und  außerschulischen  Sponsoren,  wie der Volksbank,  oder dem  Förder - verein getragen werden.   Schule und Beruf enger verzahnen ist das Ziel  der Gesamtschul - Akademie.  Am  Ende des  Knigge - Workshops bekommt jeder ein  Zertifikat,  das  auch  zu  den  Bewerbungsunterlagen  dazu  legt werden kann.  Hartmut Nürnberg sagt:  „Wir wollen bessere Chancen für unsere Schüler. Das  Angebot,  das  wir  hier machen,  gibt es an  keiner anderen Schule  im Kreis Recklinghausen.“

„Ein Piercing ist nicht gut“

Wie fasst man das Besteck richtig an?  Marvin Voß weiß jetzt, wie es geht. Sarah Röttger  beim  Probe - Bewerbungsgespräch  mit  Andreas  Mels:  Auch wenn das noch nicht der Ernstfall ist, sie ist trotzdem aufgeregt. 

Freundlich, aber mit Distanz. Bei der Begrüßung eines Vorgesetzten gibt die Unterarmlänge der richtigen Abstand vor. Stephan von Delft zeigt es Kevin Timm

Waltroper Zeitung 17. Januar 2008

          

     

Westdeutsche Zeitung 7. 11. 2008

Ruhrnachrichten 18. Dezember 2010